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Wärme und Kälte aus der Erde: Grüner Bahnhof Horrem

Die Deutsche Bahn hat in Kerpen-Horrem den ersten Bahnhof auf CO2-neutralem Betrieb umgestellt - unter anderem durch den Einsatz erneuerbarer Energien, die Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen, die maximale Ausnutzung des Tageslichtes und den Einsatz von Photovoltaik und Solarthermie.

Grüner Bahnhof Horrem © Deutsche Bahn
© Deutsche Bahn


Er wird täglich von 24.000 Beinen betreten, hat 4,3 Millionen Euro gekostet und spart jährlich 24 Tonnen Kohlendioxid. Die Rede ist vom Bahnhof Kerpen-Horrem, dem Bahnhof, der europaweit als erster klimaneutral gestaltet wurde. Seit März 2014 fahren die Züge in Kerpen-Horrem von der Bahnhofsstation ab, deren Heizung und Kühlung über eine Geothermie-Anlage läuft. Zudem werden mit einer Photovoltaikanlage 31.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugt, die Solarthermie-Module garantieren zusätzlich warmes Wasser. Teile der Dachflächen sind begrünt und mit dem dort aufgefangenen Regenwasser wird die Toilettenspülung versorgt. Die großen Glasflächen des Gebäudes bilden eine intelligente Kombination aus Tageslichtnutzung und energiesparender Leuchtdioden-Lichttechnik. Um den Komfort für Reisende und Wartende am Bahnhof zu erhöhen, hat die Deutsche Bahn alle 24 Sitzplätze im Warteraum mit USB- und Stromanschlüssen ausgestattet. Um einen einfachen Umstieg vom Auto auf den Zug zu ermöglichen, wurde ein Park-and-Ride-Parkplatz sowie eine Fußgängerbrücke zu leichteren Erreichbarkeit des Bahnhofs gebaut. Das Land Nordrhein-Westfalen hat den Neubau des Empfangsgebäudes über den Aufgabenträger Nahverkehr Rheinland (NVR) mit rund 1,3 Millionen Euro unterstützt, das EU-Projekt „Sustainable Stations“ (SusStation) hat ebenfalls rund eine Million Euro Fördergelder beigesteuert.

Die Initiative „nachhaltige Bahnhöfe“ besteht aus fünf Infrastruktur-Organisationen aus verschiedenen europäischen Ländern, die den Bau von nachhaltigen Bahnhöfen unterstützen.
Um Bahnhöfe in Zukunft CO2-frei betreiben zu können, sollen Techniken wie Geothermie, Photovoltaik, Regenwassernutzungsanlagen zum Einsatz kommen und Baumaterialien aus nachwachsenden Rohstoffen verwendet werden. Der Bahnhof Horrem liegt auf der Strecke zwischen Köln und Aachen und wird von zwei Regional- und S-Bahnlinien bedient.

NRW-Verkehrsminister Michael Groschek gratulierte der Deutschen Bahn zu dem gelungenen Projekt. „Ein einladendes Bahnhofsgebäude, ein freundlicher, transparenter und barrierefreier Empfangsbereich, da freuen sich die Kunden. Das ist ein Pluspunkt für den Schienenverkehr, der damit noch attraktiver wird. Ich freue mich natürlich besonders, dass die Deutsche Bahn den ersten, CO2-neutral arbeitenden Bahnhof Deutschlands in unserem Bundesland eröffnet. Die Reduzierung des CO2-Ausstoßes, der Einsatz erneuerbarer Energien, die Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen, die maximale Ausnutzung des Tageslichtes, Einsatz von Photovoltaik und Solarthermie, Nutzung von Erdwärme, Regenwassermanagement und Wärmerückgewinnung - hier haben die Ingenieure wirklich nichts ausgelassen, um ein modernes Gebäude zu schaffen, dass alle Anforderungen der Energiewende erfüllt. Die Investitionen von Bahn, Land und Stadt sind hier gut angelegt", sagte Groschek.

Was die Bahn sonst noch macht

Wenn die Bahn auch manchmal zu spät kommt, ist sie im europäischen Vergleich hinsichtlich Entwicklung und Betrieb von Beleuchtungs- und raumlufttechnischen Anlagen den meisten europäischen Bahnbetreibern weit voraus. Denn wofür wird an Bahnhöfen immer Strom verbraucht? Klar, für die Beleuchtung. Ob am Tag oder in der Nacht, auf den Bahnsteigen, in den Hallen, hinter Vitrinen und in Wartehäuschen brennt stets Licht. Mit der Energieeffizienz im Fokus hat die Deutsche Bahn zwei Pilotprojekte dazu an den Hauptbahnhöfen in München und Halle umgesetzt. In München brennen statt der herkömmlichen lichttechnischen Systeme seit 2012 LED-Applikationen in den überdachten Bahnsteigbereichen, im Haller Hauptbahnhof in hinterleuchteten Vitrinen und Wandelementen. Darüber hinaus installiert die Bahn seit 2011 in neuen Wetterschutzhäuschen nur noch LED-Leuchten. Unterm Strich fasst die Deutsche Bahn selbst zusammen, dass sich seit der Umsetzung dieser Maßnahmen die Leuchtstoffmittelkosten stark reduziert haben. Insgesamt hat die DB Station & Service AG den Primärenergieverbrauch an Bahnhöfen seit 2008 von 1.451 GWh auf 1.307 GWh in 2013 senken können.

Auch beim Thema Aufzüge hat sich die Bahn etwas einfallen lassen: Seit 2012 kauft die DB Station & Service standardmäßig nur noch „rückspeisende Aufzüge“, also Aufzüge, die bei Abwärtsfahrten Strom erzeugen und ins Netz einspeisen.

An einigen Personenbahnhöfen in Deutschland werden bereits Blockheizkraftwerke getestet. Im Frühjahr ging in Baden-Baden das erste Mini-BHKW in Betrieb, weitere Bahnhöfe mit BHKW sind in Dessau und Friedrichshafen. Dadurch verspricht sich die Bahn Effizienzverbesserungen von über 40.000 kWh im Jahr. Die Installation von BHKW an 20 weiteren Standorten ist in der Prüfungsphase.

Ein Ergebnis einer 2012 durchgeführten Machbarkeitsstudie am Berliner Hauptbahnhof verrät: Das nächtliche Abschalten der Klimaanlagen,  Zusatzbeleuchtung sowie der Schleichbetrieb von Fahrtreppen bringt eine monetäre Ersparnis von 400.000 Euro.

Warum ausgerechnet Bahnhöfe?

Personenbahnhöfe unterscheiden sich signifikant von privaten, öffentlichen oder gewerblichen Gebäudetypen. Denn Bahnhöfe sind kein einheitlich und zusammengehöriges Objekt mit einer eindeutigen Grenze zwischen innen und außen, sondern vielmehr ein weitläufiges System mit verschiedenen Anforderungen und Funktionen. Selbst Bahnhöfe im Vergleich unterscheiden sich in ihrer baulichen Konzeption, abhängig nach Gebäudealter, geographische Region sowie Größe und Verkehrsaufkommen. Hinsichtlich der Gemeinsamkeiten oder Unterschiede lässt sich festmachen: Kleine Bahnhöfe ähneln sich bedeutend stärker in der Baustruktur als große Bahnhöfe. Große Bahnhöfe werden als Großprojekte individuell gestaltet. Die Umsetzung von Energiespar- und Effizienzmaßnahmen stellen folgerichtig an großen Bahnhöfen eine besondere Herausforderung dar, da an jedem Bahnhof individuelle Pläne erarbeitet werden müssen. An kleineren Bahnhöfen ist die Umsetzung von Umwelt- und Energiemaßnahmen leichter zu bewältigen, da in vielen Fällen pauschale Vorgehensweisen anwendbar sind.

Projektdaten

Gesamt-Investition:
4,3 Millionen Euro
Photovoltaik:
Leistung 31.000 kWh/a
Geothermie:
Heizleistung: 29 kW
Kühlleistung: 37 kW
Primärkonstruktion
Primärtragwerk in Holz,
mit Stahlanteil
Fassade:
Schiefer 48%, Glas 52%
Halle und Wartebereich:
250 Quadratmeter
Gründach:  
150 Quadratmeter
Sitzplätze Wartebereich:
24 mit Stromanschluss
PV-Fläche auf Dach: 
340 Quadratmeter
Behindertengerechte WCs:
2
Bruttogrundfläche: 
654 Quadratmeter
Bruttorauminhalt:
4.000 Quadratmeter
Länge, Breite, Höhe:
43 m / 22 m/ 10,50 m