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Solarpark in Dortmund-Grevel

Mit Unterstützung des Vereins Renergie Ruhr-Hellweg gründete sich im April 2016 eine Bürgerbeteiligungsgesellschaft in der Rechtsform einer GbR, die 25 Prozent am Solarpark in Grevel übernimmt.

Exakt 14.592 Solar-Module bedecken eine Fläche von drei Hektar ©  Klaus Voit
© Klaus Voit


Die grün bewachsenen Hügel sind von Wegen durchzogen. Greveler Alm wird das Naherholungsgebiet im Nordosten von Dortmund genannt. Eine Landschaft geschaffen von Menschenhand: Unter einer meterhohen Erdschicht ruht Bauschutt und Hausmüll aus den 1960er bis 1990er Jahren. Bebauung und wirtschaftliche Nutzung dieser Fläche ist auf Jahrzehnte hin ausgeschlossen. Eigentlich: Denn hier entstand eine der größten Deponiesolaranlagen in NRW. Eingeweiht wurde sie von NRW-Klimaschutzminister Johannes Remmel Ende Juni 2016 im Rahmen seiner Zukunftsenergientour.

Rund 15.000 Solarmodule auf drei Hektar

„Wir haben das Projekt ein halbes Jahr geplant“, sagt Thomas Röttger, Geschäftsführer der ENTEGRO Photovoltaik-Systeme GmbH aus Fröndenberg. Bereits 2013 plante ein Investor einen Solarpark auf der ehemaligen Deponie der EDG Dortmund, sprang aber aus finanziellen Gründen ab. „Wir haben an jeder Schraube gedreht, um die Kosten in den Griff zu bekommen“, erklärt Dieter Röttger, der gemeinsam mit seinen Bruder Thomas die Geschäfte der ENTEGRO führt. 14.592 Solarmodule bedecken nun eine Fläche von drei Hektar. Solche Freiflächenanlagen werden in NRW nur noch vereinzelt errichtet, da sich Projekte dieser Größe bei einer deutschlandweiten Ausschreibung um eine Förderberechtigung durchsetzen müssen. Doch bei der ehemaligen Deponie handelt es sich um eine „sonstige bauliche Anlage“ gemäß EEG, deshalb konnte man die Ausschreibung umgehen.

2500 Pfosten versenkt

Die Vorgaben waren knifflig. „Wir durften die Fundamente nicht tiefer als einen Meter setzen“, erklärt Thomas Röttger. Bei normalen Anlagen werden sie 1,5 bis zwei Meter in den Boden getrieben. „Wir haben das Problem gelöst, indem wir die Spannbreiten geringer gehalten haben.“ Ein Bodengutachter legte fest, dass insgesamt 2500 Pfosten in den Boden versenkt werden mussten. Zum Einsatz kamen nicht die sonst üblichen Schraub-, sondern Rammfundamente. „Die gesamte Anlage ist nicht einfach zu kalkulieren gewesen“, gesteht Thomas Röttger. „Ein solches Projekt ist wirtschaftlich nur dann umzusetzen, wenn man sich viele Gedanken macht.“

Viele Gedanken haben sich die Brüder auch darum gemacht, wie die Anlage betrieben werden soll. Ihre Firma bleibt mit 25 Prozent an der Photovoltaik-Anlage beteiligt, doch vor allem sollten Bürger beteiligt werden. Mit Unterstützung des Vereins Renergie Ruhr-Hellweg gründete sich im April 2016 eine Bürgerbeteiligungsgesellschaft in der Rechtsform einer GbR, die 25 Prozent am Solarpark in Grevel übernimmt. Hier haben 17 Gesellschafter aus der unmittelbaren Region Anteile gezeichnet. Der maximale Anlagebetrag wurde gedeckelt, damit sich möglichst viele Bürger beteiligen konnten. Die restlichen 50 Prozent übernimmt UNsere Energiegenossenschaft eG aus Unna. Damit sind drei Viertel der Anlage im Besitz von Bürgern aus der Region.

200 Genossen an Solarpark beteiligt

Der Ausbau erneuerbarer Energie in der Region steht im Mittelpunkt der Energiegenossenschaft aus Unna. „Aber wir sind nicht darauf beschränkt“, sagt Dr. Michael Rumphorst, Vorstandsvorsitzender der UNsere Energiegenossenschaft eG. Beteiligungen bestehen bereits an Photovoltaikprojekten in Hürth und Fürstenfeldbruck. „Wo der Klimaschutz stattfindet, ist doch letztendlich egal“, so Rumphorst. Auf der Suche nach interessanten Bestandsprojekten kam er mit der ENTEGRO ins Gespräch. „Der Solarpark wurde uns im Herbst 2015 angeboten“, erinnert er sich. Mehr als 200 Genossen haben Anteile an der Energiegenossenschaft gezeichnet, ein Teil des eingelegten Geldes wird für die Beteiligung an der Dortmunder Deponiesolaranlage genutzt.

„Über 400.000 Euro haben wir eingesammelt“, so Rumphorst. Von der Beteiligung über Genossenschaftsanteile ist er überzeugt. „Die Windparks laufen ja meistens über Kommanditgesellschaften und nicht selten sind es reiche Flächeneigentümer, die viele Anteile zeichnen“, so der promovierte Ingenieur. Deshalb gebe es bei großen Windparks manchmal nur zehn Kommanditisten. „Beteiligung in der Breite erreiche ich so nicht“, sagt Rumphorst. Deshalb geht UNsere Energiegenossenschaft eG ganz bewusst andere Wege. „Jeder kann sich bei uns beteiligen, egal woher er kommt“, erklärt der Vorstandsvorsitzende. Die Genossenschaftsanteile können übers Internet gezeichnet werden. „Das ist auch für einen Rentner möglich“, ist er überzeugt. Aber ganz egal, mit wie vielen Anteilen sich jemand an der Genossenschaft beteiligt, jeder hat das gleiche Mitspracherecht. „Jeder Genosse hat in der Generalversammlung nur eine Stimme“, erklärt Rumphorst. „Ob er 10.000 Euro gezeichnet hat oder 500 Euro.“

Mit zwei Prozent, so die Kalkulation, soll das eingesetzte Kapital verzinst werden. „Manch einer sagt, dass das nicht attraktiv ist“, so Rumphorst. Doch das Umfeld sei nicht leichter geworden. „Zudem wollen wir lieber unser Versprechen halten.“ Die Kalkulationen für den Solarpark auf der Dortmunder Deponie sehen jedenfalls vielversprechend aus. „Im Moment sieht es so aus, als wenn wir die angestrebten Zahlen nicht nur erreichen, sondern sogar übertreffen.“

Projektdaten

Anlageleistung: 2,4MW
Module: 14.592 Module mit je 165 Watt
Stromerzeugung: rd. 2.400 MWh/a
CO2-Ersparnis: ca. 1150t/Jahr (Prognose)

Ansprechpartner

UNsere Energiegenossenschaft eG
Dr. Michael Rumphorst
Vorstandsvorsitzender
Tel.: 2303 / 9523221
rumphorst(at)avoid-unrequested-mailsunna-pflanzt-energie.de
www.unna-pflanzt-energie.de

Renergie Ruhr-Hellweg e.V.
Bernd Molitor
Vorstandsvorsitzender
info(at)avoid-unrequested-mailsrenergie-ruhr-hellweg.de
www.renergie-ruhr-hellweg.de

ENTEGRO GmbH
Dieter Röttger
Geschäftsführer
Tel.: 02373 / 3958711
dieter.roettger(at)avoid-unrequested-mailsentegro.eu
www.entegro.eu